Make Bitcoin Great Again

Donald Trump hat am 11. Juli einen Tweet verfasst, in dem er erklärt, er sei “kein Fan von Bitcoins und anderen Kryptowährungen”, denn sie seien „kein Geld“ und würden illegale Aktivitäten wie Drogenhandel erleichtern. Der mächtigste Mann der Welt stellt sich gegen Bitcoin – ist dies das endgültige Ende des bereits 368 mal für tot erklärten* staatenlosen Geldes?

 

Ich denke: das Gegenteil ist richtig. Allein die Aufmerksamkeit, die Bitcoin durch diesen Tweet erfährt, ist Gold wert. Die zahlreichen Trump-Gegner in den Medien müssen nun für Bitcoin Partei ergreifen, denn wenn der böse Donald sich gegen etwas ausspricht, kann es ja nur gut sein. Doch auch Trump-Sympathisanten, die gern rote „Make Bitcoin Great Again“-Mützen tragen, werden in diesem Fall mit ihrem Idol nicht unbedingt übereinstimmen. Es ist ja nur verständlich, dass der Herrscher über den US-Dollarraum kein Interesse an privater Konkurrenz haben kann, die das eigene Monopol gefährdet.

 

Würde der Unternehmer Trump, wenn er nicht Präsident wäre, anders über Bitcoin denken? Vermutlich schon. Er hätte zumindestens eine höhere Motivation, sich eingehender mit der Materie zu beschäftigen und seine Fehleinschätzung zu korrigieren - so wie das viele vor ihm getan haben, die sich vom Bitcoin-Skeptiker zum Bitcoin-Fan gewandelt haben, mich selbst eingeschlossen.

 

In seinem Tweet sind Donald Trump nämlich einige Fehler unterlaufen. Zunächst behauptet er, Bitcoin sei kein Geld. Diese Einschätzung ist falsch. Geld ist, was Menschen als Geld benutzen. In der Geschichte haben schon Vieh, Muscheln, Pfeilspitzen, Ami-Zigaretten und viele andere Dinge die Rolle des allgemeinen Tauschmittels übernommen. Edelmetalle wie Gold haben sich über die Jahrtausende bewährt, weil sie alle Eigenschaften aufweisen, die gutes Geld ausmachen: sie sind knapp, teilbar, haltbar, leicht transportierbar, fälschungssicher und werthaltig.

 

Bitcoin verfügt über genau die gleichen Eigenschaften wie Gold. Außerdem kann man  es weltweit über das Internet verschicken, und: es ist im Unterschied zu Gold nicht beschlagnahmbar. Der US-Dollar hat hingegen nur deshalb einen Wert, weil er ursprünglich einmal durch Gold gedeckt war. 1971 wurde diese Golddeckung jedoch von Präsident Nixon aufgekündigt. Seitdem können Dollars von der US-Zentralbank komplett aus dem Nichts geschaffen werden, „based on thin air“, wie Trump in seinem Tweet über Bitcoin schreibt.

 

Der wahre Luftikus ist also nicht der Bitcoin, sondern der US-Dollar, der allein durch die Illusion gedeckt ist, dass hinter ihm eine große Wirtschafts- und Militärmacht steht, die ihre Untertanen zum Zahlen von Steuern zwingen kann. Bisher ist jedoch jede Form staatlichen Monopolgelds früher oder später wertlos geworden - sogar die Mark des mächtigen Deutschen Reiches oder der Bolivar von Venezuela, der Nation mit den weltweit größten Ölreserven. Warum sollte es dem virtuellen US-Dollar, der beliebig oft gedruckt werden kann, langfristig anders ergehen?

 

Bitcoins können hingegen keineswegs aus "dünner Luft" geschaffen werden. Der Bitcoin ist das knappste Gut der Welt, das vom rechenstärksten Computernetzwerk aller Zeiten abgesichert ist. Die Erzeugung neuer Bitcoins, in Anlehnung an das Schürfen von Gold Mining genannt, unterliegt strengen Regeln und wird ständig schwieriger. Wir wissen, dass es niemals mehr als 21 Millionen Bitcoins geben wird. Im Gegensatz zum staatlichem Monopolgeld ist das Wachstum der Geldmenge (auch Inflation genannt) beim Bitcoin durch sein Software-Protokoll genau vorgeschrieben und kann von niemandem manipuliert werden.

 

Trump schreibt, dass illegale Aktivitäten durch Bitcoin erleichtert werden. Auch hier ist das Gegenteil richtig. Alle Bitcoin-Transaktionen werden dauerhaft in der sogenannten Blockchain öffentlich gespeichert. Sie sind keineswegs anonym, sondern lassen sich mit überschaubarem Aufwand zurückverfolgen. Es wäre also keine gute Idee, Drogendeals und sonstige illegale Geschäfte in Bitcoin zu tätigen. Dafür ist staatliches Bargeld deutlich besser geeignet.

 

Es stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Drogen zu kriminalisieren und ihren Konsum unter Strafe zu stellen. Das Beispiel Portugals zeigt, dass es viel effektiver ist, Drogenkonsumenten nicht als Kriminelle, sondern als Kranke zu behandeln, die Hilfe brauchen. Der Drogenkonsum und die damit verbundene Kriminalität sind in Portugal seit Einführung dieser neuen Politik im Jahr 2001 deutlich zurückgegangen. Eine ähnliche Erfahrung konnten die USA machen, als sie das 1920 eingeführte Alkoholverbot 1933 wieder aufhoben, weil es nur Mafiabossen wie Al Capone nützte. Der Alkoholkonsum nahm durch das Verbot jedoch keineswegs ab, sondern wurde lediglich in den Untergrund gedrängt.

 

Trumps uninformierter Tweet könnte eine ähnliche Wirkung haben wie der Fernsehauftritt des US-Senators Chuck Schumer im Juni 2011, als Bitcoin zum ersten Mal in den Mainstream-Medien Beachtung fand. Schumer demonstrierte seinerzeit, wie man für Bitcoins Drogen auf einem Online-Marktplatz kaufen konnte und plädierte für ein Verbot der digitalen Währung. Der Effekt: der Kurs von Bitcoin schnellte binnen kürzester Zeit um das Dreißigfache nach oben.

 

So volatil wie in seiner Frühzeit ist der Bitcoin längst nicht mehr, doch ich nehme an, dass auch Trumps Tweet langfristig zu einem weiteren Kursanstieg Bitcoins beitragen wird. Und wer weiß: vielleicht lernt der Donald hinzu und wird eines Tages doch noch zum Bitcoin-Fanboy?

 

* Soviele medial veröffentlichte „Todesmeldungen“ für Bitcoin hat der Webdienst Bitcoin Obituaries am 12. Juli 2019 gezählt: 

 

Bilder:

Trump: CC by Gage Skidmore, Photoshop: Aaron Koenig

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Bitcoin-Inflation: http://i.imgur.com/ujvXA4y.png